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Die Brustvergrößerung mit Silikonimplantaten

Brüste vergrößern mit Silikonimplantaten – es gibt nicht das Generalrezept

Brustvergrößerungen mit Silikonimplantaten zählen immer noch zu den häufigsten Eingriffen der Schönheitschirurgie. Dabei stellen sich für Patienten immer die gleichen Fragen: Welcher Schnitt? Welche Implantatform? Wie sieht das Ergebnis aus? Wir klären Sie hier auf!

Seit Jahren erlebe ich in meiner Sprechstunde bei Beratungen zur Brustvergrößerung immer wieder kehrende Fragen und Vorurteile und teilweise sogar Mythen gegenüber bestimmten Implantatformen und unterschiedlichen Op-Techniken. Diese entstehen nicht zuletzt durch übertriebene Darstellungen in den Medien, Recherchen in teilweise unprofessionell geführten Foren und Fremderfahrungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, die mit einer Implantatform oder Op-Technik positive bzw. negative Erfahrungen gemacht haben. Ein Patientengespräch gestaltet sich dann schwieriger, wenn schon gewisse Vorurteile und Vorwände eingebracht werden, die als solches nicht zutreffen. Tatsache ist, dass die Grundvoraussetzungen für einen Brustaufbau individuell sehr unterschiedlich sind. Von Frau zu Frau gibt es teilweise enorme Unterschiede in der Größe, Form, Hautqualität und –Dicke der Brüste. Diese Voraussetzungen ergeben zusammen mit den speziellen Wünschen der Patientin die Empfehlung für eine bestimmte Op-Technik, Implantatgröße und –Form. Die einzigen Gemeinsamkeiten, die alle Implantatformen derzeit aufweisen, sind die angeraute Silikon-Oberfläche und das Silikon-Gel als Inhalt. Eine raue Oberfläche verursacht seltener eine Kapselfibrose und wassergefüllte Implantate sind bei völliger Bedenkenlosigkeit von Silikongel fast komplett vom Markt verschwunden. In den folgenden Abschnitten versuche ich das komplexe Thema zu erläutern.

Welchen Schnitt wählt man am besten, um die Implantate zu einzubringen?

Quelle: westoncosmeticsurgery.com

Quelle: westoncosmeticsurgery.com

Auch hierzu gibt es oft Vorurteile. Tatsache ist, dass es ohne eine 5-6cm lange Narbe nicht geht, nur kommt diese an unterschiedlichen Stellen zustande. Zugangsmöglichkeiten gibt es in der Unterbrustfalte, am Brustwarzenhof oder in der Achselhöhle. Der für das Einbringen der Implantate genaueste und sicherste Zugang ist der in der Unterbrustfalte. Bei entsprechendem Wunsch kann der Schnitt auch am Rand des Warzenhofs eingebracht werden. Dieser Zugang hat allerdings 2 Nachteile: 1. Risiko für Abnahme der Stillfähigkeit und 2. Abnahme des Empfindens an der Brustwarze. Auch wenn bei anderen Zugängen diese Risiken ebenfalls bestehen, so sind diese bei dem Zugang um den Warzenhof etwas häufiger. Am häufigsten wähle ich diesen Zugang, wenn im Falle einer gleichzeitigen Straffung ohnehin eine Narbe um den Warzenhof gelegt werden muss. So spart man unter Umständen eine zusätzliche Narbe in der Unterbrustfalte. Der Zugang in der Achselhöhle ist operativ sehr anspruchsvoll und mit einer höheren Rate von Fehlplatzierung des Implantats verbunden. Bei Zweitoperationen, z.B. bei Wunsch nach einem größeren Implantat oder Kapselfibrose-Behandlung, kann der Schnitt nicht erneut verwendet werden, so dass ein neuer Schnitt, z.B. in der Unterbrustfalte notwendig wird. Insgesamt wird dieser Zugang angesichts der geschilderten Problematik sehr selten angewendet.

Wann verwendet man runde, wann tropfenförmige Implantate?

Quelle: Allergan

Quelle: Allergan

Entgegen allgemeingültiger Aussagen, dass runde Implantate eher unnatürlich und tropfenförmige immer natürlich aussehen würden, gibt es für beide Formen bestimmte Anwendungsgebiete, die von zwei Faktoren abhängig sind: 1. Die Ausgangsform der Brust und 2. der Wunsch nach etwas mehr Betonung im Dekolleté. Entscheidend für ein natürliches Aussehen sind die Implantattasche (über oder unter dem Muskel) und insbesondere die Implantatgröße. Wenn beispielsweise ein zu großes Implantat relativ oberflächlich (über dem Muskel) platziert wird, entsteht unabhängig von Implantatform ein unnatürlicher Eindruck von aufgesetzten Brüsten. Bei normaler Brustform und einem Wunsch von etwas mehr Betonung im Dekolleté sind runde Implantate besser geeignet. Das dies bei den meisten Patientinnen der Fall ist, verwende ich runde Implantate häufiger als tropfenförmige. Diese wiederum sind eher geeignet bei extrem kleinen oder geringgradig hängenden Brüsten (Ptose I. Grades). Ein Vorteil von runden Implantaten ist die Tatsache, dass im Falle einer Drehung die Brustform sich nicht verändert. Bei tropfenförmigen Implantaten müsste im Falle einer Drehung aufgrund der Veränderung der Brustform eine operative Korrektur erfolgen.

Wann werden Implantate unter und wann über dem Muskel platziert?

Quelle: ai4ps.com

Quelle: ai4ps.com

Durch den Muskel erreicht man mehr Abdeckung über dem Implantat. Gerade wenn die Brust sehr klein und die Haut sehr dünn ist, müssen Implantate unbedingt unter den Muskel platziert werden, damit kein unnatürliches Aussehen entsteht. Aber auch bei etwas mehr Brustvolumen vor der Op setze ich die Implantate wegen des natürlicheren Aussehens und geringeren Tastbarkeit häufig unter den Muskel. Über den Muskel werden Implantate nur dann platziert, wenn das vorhandene Brustgewebe eine gute Abdeckung des Implantats gewährleistet und die Brust ein wenig hängt (Ptose I. bis II. Grades). Denn dann füllt das Implantat die Haut-Drüsenhülle besser aus und eine Straffung könnte eventuell umgangen werden. Bei Extremsportlerinnen ist diese Tasche ebenfalls besser geeignet.

Ist der Härtegrad der Implantate für das Aussehen der Brust nach der Op entscheidend?

Unter gewissen Umständen schon, auch wenn die Festigkeitsunterschiede insgesamt nicht sehr ausgeprägt sind. Festere runde Implantate betonen das Dekolleté etwas mehr als weiche. Weiche Implantate fühlen sich aber etwas natürlicher an. Wenn die Haut sehr dünn ist, sollten – abgesehen von der Platzierung der Implantate unter den Muskel – eher festere Implantate gewählt werden, um einer eventuellen Übertragung der Oberflächenfalten auf die Haut (so genanntes Rippling) zu entgehen; denn feste Implantate bilden deutlich weniger Falten.

Alles in allem gibt es also beim Wunsch für eine Brustvergrößerung kein Generalrezept. Verlassen Sie sich auf den Rat Ihres erfahrenen plastischen Chirurgen.

Ihr Dr. Boorboor

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